Honecker am 7.Oktober 1989
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Mai: Ergebnisse der Kommunalwahlen sind gefälscht, die DDR dementiert. Juni: Honecker bemüht sich um einen Gesprächstermin mit Gorbatschow, der seine Reise nach Bonn vorbereitet. Dieser möchte den DDR-Chef vorher - und auch nachher - eigentlich nicht sehen, aber Honecker lädt sich zu einem Veteranen-Treffen zur Stadtgründung von Magnitogorsk ein und legt einen Zwischenstopp in Moskau ein (27.Juni-1.Juli). Honecker war durch die zunehmende Annäherung der Sowjetunion an die Bundesrepublik sehr beunruhigt und füchtete, die Rolle der DDR könnte geschmälert werden. Die Gespräche mit Gorbatschow bleiben im reinen Informationsaustausch stecken, ohne in einen echten Dialog zu münden. Gorbatschows Aufforderungen zum offenen Gespräch sind zu zurückhaltend, als dass Honecker sie erkennen muss.
7.Juli: In Bukarest tagt der "Politisch-Beratende Ausschuß" der Länder des Warschauer Paktes. Zwischen Honecker und Gorbatschow herrscht frostige Stimmung: Honecker fühlt sich von Gorbatschow in der Deutschlandpolitik hintergangen. Am Abend wird Honecker mit schweren Gallenkoliken in das rumänische Regierungskrankenhaus eingeliefert. Der SED-Chef wird nach Berlin ausgeflogen.
Juli-September: Honecker erst im Urlaub und dann krank - bis auf einige Tage im August ist er nicht im Amt. Geschäfte führt das Politbüro, Informationen gelangen über Mittag und Herrmann zu Honecker.
14. August: Honeckers Zwischenspiel, ein Besuch im Mikroelektronik-Kombinat in Erfurt, zeigt seine Realitätsferne:
"Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf."
September: Honecker gewährt den Botschaftsflüchtlingen die Abreise in Zügen. Erhoffte Folge: eine "Ventilwirkung".
25.09.1989 Honecker schaut sich die Live-Übertragung der Montags-Demo in Leipzig an. Der Gebrauch von Schußwaffen ist ausdrücklich untersagt. ADN kommentiert die Fluchtwelle mit "...man sollte ihnen keine Träne nachweinen." Dieser Satz ist höchstwahrscheinlich von Honecker selbst in den Text hineinredigiert worden.
6./7. Oktober: Die DDR feiert ihren 40.Geburtstag. In die letzte "Jubelparade" der FDJ für Honecker mischen sich Rufe nach Gorbatschow und Perestroika.

Rede Honeckers im Original-Text: hier!


15. Oktober, Sonntag: Krenz, Schabowski und Tisch planen Honeckers Absetzung für Dienstag. Auch Stoph ist
eingeweiht. Tisch soll am Montag in Moskau Gorbatschows Zustimmung einholen.

16. Oktober, Montag. Honecker fährt überraschend persönlich ins Lagezentrum des Innenministeriums, um die Live-Bilder der Stasi von der Montagsdemo zu sehen. Angeblich muss er von Fritz Streletz daran erinnert werden,
alles friedlich verlaufen zu lassen. Während Honecker im Raum ist, meldet sich Harry Tisch aus Moskau telefonisch und
teilt Krenz mit, dass Gorbatschow grünes Licht gegeben habe.
17. Oktober, Dienstag: Sitzung des Politbüros. Entgegen seinen üblichen Gewohnheiten kommt Honecker zu
spät zur Sitzung. Der SED-Chef eröffnet die Sitzung, woraufhin Stoph sich zu Wort meldet und eine Änderung der Tagesordnung vorschlägt. Punkt 1 solle nun lauten: "Absetzung des Generalsekretärs." Zunächst reagiert Honecker auf den Einwand gar nicht, sondern überhört den Antrag. Nun kommt Bewegung in die Sitzung, Protest wird laut. Honecker wird gestürzt. Er beugt sich der Gruppe um Egon Krenz und stimmt selbst für seine eigene Absetzung.
18.10.1989 Offizieller Rücktritt von allen Ämtern während der ZK-Tagung. Aus der Stellungnahme Honeckers, die im
"Neuen Deutschland" abgedruckt wurde: "[...] Infolge meiner Erkrankung und nach überstandener Operation erlaubt mir
mein Gesundheitszustand nicht mehr den Einsatz an Kraft und Energie, den die Geschicke unserer Partei und des Volkes
künftig verlangen. Deshalb bitte ich das Zentralkomitee, mich von den Funktionen [...] zu entbinden."
08.11.1989 Generalstaatsanwalt leitet Verfahren wegen Amtsmissbrauchs und Korruption ein.
09.11.1989 Fall der Mauer. Honecker erlebt die Ereignisse vor dem Fernseher. Er sagt später, er sei “tief erschüttert” darüber gewesen. 03.12.1989 Ausschluss aus der SED, danach Mitglied der wiedergegründeten KPD.

 

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